[ oliver plein ]

arbeiten

plastik aus erinnerung und klebeband

Detailansicht eines Kopfes mit Projektion
Erinnerungsprojektion
Die komplette Arbeit mit allen Komponenten und laufender Projektion am Abend der Ausstellung
Das erwachsene Subjekt
Vorbereitung: Vorstufe des 'erwachsenen' Subjekts, mit gleichen Händen und Gesicht wie die 'kindlichen' Subjekte
Die Hände der erwachsenen Figur
Vorbereitung: die Hände des 'erwachsenen', die Projektion steuernden Subjekts
Zwei gleiche Köpfe der Arbeit
Vorbereitung: zwei der drei 'gleichen', von der Erinnerungsdoktrin assimilierten Köpfe
Video mit Lauftext der projizierten Erinnerung
Gipsabguss eines Gesichtes
Früher Gipsabguss und erste Bearbeitungsansätze des Gesichtes. Hier fand nicht nur symbolisch sondern auch im materialen Sinn eine direkte Behandlung von Erinnerung am Körper (Gesicht) statt.
Zwei Gipsköpfe aus der Arbeit Plastik aus Erinnerung und Klebeband von Oliver Plein
Zwei noch unbearbeitete Gipsabgüsse des 'erwachsenen Subjekts'
Hände aus Gips
Frühe Versuche der Gipshände. Alle Hände sind gleich aber mit unterschiedlichem Gestus
Drei Figuren aus der Arbeit Plastik aus Erinnerung und Klebeband von Oliver Plein
Ansicht der drei Körper am Tag vor der Ausstellung, noch ohne Licht und Projektion. Drei gleiche Köpfe als Symbol der Erinnerungsdoktrin innerhalb dieser Institution der Familie
Körper aus Folie beziehungsweise Klebeband
Unfreiwillig epilierende Versuche mit Klebeband für das Thema der 'Folie' und auch scheinbarer Transparenz in Gegenüberstellung der undruchdringlichen Gipselemente
Klebebandkörper von hinten
Folien- beziehungsweise Klebebandkörper des 'erwachsenen' Subjekts in der Rückenansicht
titel:
plastik aus erinnerung und klebeband
jahr:
2023
material:
gips, klebeband, draht, holz und textprojektion
konzept:

Wie schreibt es sich in den Körper, ins Gesicht, wenn Erinnern nicht frei, sondern innerhalb der dysfunktionalen Familieninstitution als geformtes Konstrukt einem Zweck dient: Der Instrumentalisierung der Erinnerung zu einem den Eigeninteressen dienenden Narrativ, welches verlässlich nur durch die Angleichung der Erinnerung aller Erinnernden konstituiert werden kann.

Entgegen freiem Speichern von Erlebtem als Erinnerung steht hier eine endlos laufende Projektion, ein fixiertes Skript der als gültig autorisierten ‘Erinnerung’, in konstanter Bearbeitung der Gesichter. Alle tragen das gleiche Gesicht der Erinnerung nach aussen.

Wichtig ist auch hier der Prozess der wechselseitigen und gegenseitigen Bedingung von Material und Inhalt, wobei auch die sich verändernde Konsistenz des Materials von Bedeutung ist, beziehungsweise war. Das Formen und Angleichen der Gesichter, im Prozess der Erarbeitung, ist zu Beginn einfacher handhabbar, der Gips ist noch nicht komplett ausgehärtet. Die Bearbeitung wird schnell schwieriger, bis das Material komplett ausgetrocknet und fast zu fragil ist, um noch etwas verändern zu können, oder nur mit grösster Vorsicht und der Gefahr, etwas irreparabel zu schädigen. Diese materiale Herausforderung erlaubt einen Bezug zu der mit ihr dargestellten Realität, die über die Zeit hinweg ebenfalls von Fragilität und der erschwerten Veränderung gekennzeichnet ist: Im ‘kindlichen’ Subjekt stellt sich die Frage nach der eigenen Identität, wenn Erinnerungen nicht Dokumentation von Erlebtem, sondern Programm des ‘erwachsenen’ Subjekts sind. Eine Bewertung der eigenen, als ‘Erinnerung’ dokumentierten Identitätsfragmente ist schwierig, und eine Korrektur einer Erinnerungsdoktrin ist, wie im Material der Arbeit, je länger, desto unsicherer. Metaphorisch und allegorisch bieten sich viele Begriffe an, die Inhalt, Material, Prozess und fertige Arbeit miteinander verbinden und auch hier treffen auf der Metaebene wieder das Konzept der ‘automatisierten Folie’ und der poetischen Funktion von Sprache mit der materialen Ausgestaltung der Subjekte aufeinander: sowohl in den transparenten Körpern (entstanden mit Folie beziehungsweise Klebeband), die die Habitualisierung beziehungsweise Konventionalisierung der Erinnerung zeigen, wie auch in der Kontrastierung mit den opaken, steinernen Gesichtern (Verfremdung), die, wie in der Erkennbarmachung von Sprache durch Poetizität, erkennbar werden durch sichtbares Einwirken einer der subjektiven Erinnerung fremden, externen Autorschaft.


dokumentation null

titel:
dokumentation null
jahr:
2023
material:
audio & video
konzept:

Ein Bewusstseinsstrom scheint etwas absolut Unmittelbares zu sein. Weil er aber erst sprachlich fixiert rezipierbar wird, liegt er in unserem Verständnis von Vergangenheit in der Vergangenheit, ist Erinnerung. Wiederum ist die Basis des Bewusstseinsstroms ein Erinnerungskörper. Wer ist die Stimme (auch akustisch) dieses Erinnerungskörpers, wessen Sprache, wessen Ideen formen diese Erinnerung? Vordergründlich spielt dokumentation null mit metapoetischen, metasprachlichen, vielverschachtelten autorefernziellen Konzepten, diffus und weit darunter muss aber immer ein Körper von Erinnerungen liegen. Die materialästhetische Betrachtung von Sprache schafft eine Distanz, kann sie sogar komplett der Bedeutung entheben, oder diese verwirren. Nichtsdestotrotz entstehen Wörter, ob in der Rezeption zusammenhängend oder nicht, nicht im luftleeren Raum. All diese Schichten sollen in einem Echoraum von Erinnerung als in sich geschlossener Körper zusammenkommen.
Die Leitemotive 'Narration' und 'lineare Betrachtung der Zeit' stehen in einem dialektischen Verhältnis zueinander, aber lösen dieses gleichzeitig auch auf: Die fertige Arbeit besteht von Anfang an, aber sie besteht aus ihrer eigenen Herleitung, also
wird sie, während sie ist und ist während sie wird.


untitled

untitled
untitled
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titel:
untitled
jahr:
2022
material:
Kohle auf Papier
konzept:

Bei dieser Serie von Kohlezeichnungen war die Übersetzung von Erinnerung auf das Körperliche, Figurative sehr unmittelbar und direkt, für einmal ist Sprache komplett aus dem Bild, zumindest in Form sprachlicher Zeichen. Sprache beziehungsweise 'Zeichen' sind aber natürlich auch im Gestus. Die Serie steht ganz im 'Zeichen' von Erinnerung, die vor dem Spracherwerb, vor der Möglichkeit, Gefühle beziehungsweise Umstände mittels sprachlicher Zeichen zu abstrahieren, geprägt hat und bis in ein der sprachlichen Abstraktion mächtiges Alters wirkt.